24.01.2018

Unerwarteter Reichtum. Fluch und Segen. Die größten Fehler. In 3 Phasen den Wandel bewältigen.


Wer sollte diesen Artikel auf jeden Fall lesen?
Erben, Beschenkte, Geschiedene, Witwer/Witwen, Ex-Freiberufler/Unternehmer, Profisportler, Lottogewinner, ….


Was können Sie aus diesem Artikel mitnehmen?

Unerwarteter Reichtum ist nicht für jede(n) nur Freude. Es vollzieht sich nicht nur auf dem Konto ein Wandel, sondern auch in Ihrem Leben, d.h. Selbstbild, Fremdbild, Beziehungen, Vertrauen, eigene Finanzkompetenz, notwendige Entscheidungen treffen, …


Diagnosen: Affluenza und das Sudden Money Syndrom

Die Ärzte unter Ihnen können das leider noch nicht als ICD-Diagnose abrechnen, aber es gibt in der Tat diese zwei unter Psychologen und Psychosomatikern bekannten Begriffe:


„Affluenza“, seit 1954 genutzt als Kunstwort aus Affluence (Reichtum) und Influenza (Grippe), beschreibt insbesondere die mit einem Konsumrausch einhergehenden Zwänge und Folgen („Wohlstandskrankheit).


Unter dem „Sudden Wealth Syndrom“ verstehen Therapeuten den Stress, der den Betroffenen und sein soziales Umfeld bei plötzlichem Reichtum mit diesen typischen Symptomen beeinträchtigt:

  • Abspaltung von bisherigen familiären und freundschaftlichen Bindungen bis in die soziale Isolation durch die notwendige Diskretion und das Gefühl, nun „anders“ zu sein.
  • Je nach Sozialisation bedeutet die Entwicklung „von Null zum Kapitalisten“ auch einen Paradigmenwandelt für den/die Betroffene(n).
  • Schockstarre bei Geldanlage und Ausgabeverhalten („bloß keine Fehler machen“); die neuen Freiheitsgrade der Entscheidungen belasten in Form der „Qual der Wahl“. Wenn Ihr erstes „Aktienerlebnis mit der Telekom-Aktie“ im Desaster endete, ist das zwar ein prägendes Ereignis, aber für Ihre neue Situation mit einer professionellen Unterstützung nicht relevant.
  • Falls der neue Reichtum bekannt geworden ist: Ständige Abwehr von „Bettlern“.
  • Gefühl, diesen Reichtum nicht verdient zu haben – „es passt gar nicht zu mir“.
  • Sucht, die aktuellen Börsenkurse in Echtzeit zu verfolgen und die eigene Tagesform davon abhängig zu machen.
  • Verlustängste um den neuen Besitz und damit neu auftretende Existenzängste – Alles ist aus dem bisherigen Gleichgewicht.
  • Überforderung durch organisatorischen Aufwand, z.B. bei der Gründung und Verwaltung der eigenen Stiftung. Aus hehren Visionen wird ein aufzehrendes Tagesgeschäft. Und alle Nichtbetroffenen sagen nun „Deine Sorgen möchte ich haben“…
  • Lebensübergänge finden nicht in Monaten, sondern in Jahreszeiträumen statt; mit der Ungeduld tritt häufig eine Selbstüberforderung und damit das Gefühl auf, nicht zu genügen.

 

Die größten Fehler - unterschiedliche Anlässe induzieren verschiedene Situationen:

 

Anlass Erbschaft / Schenkung

  • Der Unterschied der beiden Situationen ist, dass ein Schenker nicht nur Hilfe, sondern auch Zweckbindung aber auch Einmischung bedeuten kann.
  • Bei Vermögen in Form von Unternehmen stellt sich zusätzlich die Frage, ob Sie auch unternehmerisch gestaltend tätig werden wollen, können oder sogar müssen.
  • Prominentes Beispiel ist Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, welche als sehr junge Witwe aus dem Stand ein komplexes Familienvermögen für ihre noch minderjährigen Kinder steuern musste. Ein krasser Wandel vom IT-Girl des Jet-Set ohne jegliche Finanz- und Managementerfahrung.
  • Selbst wenn der Vermögensübergang „mit Ansage“ und Vorbereitungsphase erfolgt, ändert sich die Befindlichkeit bei Vollzug schlagartig und führt zu weniger Besitz am Ende als am Anfang über folgende Verhaltensweisen:
  • Flucht in den Konsum (auch mit „Spendierhosen“ für andere) statt den (mühsamen) Weg zu eigener finanzieller Grundkompetenz auf sich zu nehmen.
  • Das andere Extrem: reflexartige Befreiungsversuche mittels wahlloser sozialer Großspenden ohne finanzielle Planung für die eigenen Bedürfnisse.


Anlass Scheidung/Trennung sowie Witwen/Witwer (waren schon vorher Vermögensinhaber), aber auch Heirat (neue Teilverantwortlichkeit)

  • Hier sind vor allem die Personen betroffen, welche sich bislang wenig bis überhaupt nicht mit Geldangelegenheiten auseinandergesetzt haben, weil dies der Partner machte.
  • Wenn Sie schon bisher kein Naturtalent in Wandel und Veränderung waren, macht Sie die der neue Reichtum nicht unbedingt zum „Changer“.
  • Häufige Fehler: Kein eigenes Interesse entwickeln und gleichzeitig unvorsichtig Berater auswählen, Fortführung der bisherigen Geldanlagestrategie bei veränderten Rahmenbedingungen.


Anlass Verkauf eines Unternehmens (auch Anteil, Abfindung etc.)

  • Nicht jeder Unternehmer hat sich zwangsweise mit der Steuerung eines großen Privatvermögens auseinandergesetzt. Bei Inhabern, welche nicht für die Finanzen verantwortlich waren, kann hier Beratungsbedarf entstehen, wenn bislang alles in den Unternehmensaufbau gesteckt wurde.
  • Typisch dafür: Exit-Szenarien von Startups, also vom Nerd direkt zum Frührentner.
  • Häufige Fehler: Nichtstun, wie bisher. Dadurch fehlende Diversifizierung in Anlageklassen, Geopolitik sowie keine steuerliche Optimierung und Risikosteuerung.


Sonderfall Kinder/Jugendliche

  • Sollten Ihre Kinder zu unerwartetem Reichtum kommen, so sollte eine schrittweise Hinführung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Vermögen erfolgen.
  • Für diese „Financial Education“ gibt es ausgezeichnete seriöse Programme, z.B. in Form von Summer Schools. Die Teilnehmer sind in einer Betroffenengruppe „unter sich“ und lernen, dass der Besitz von Großvermögen kein Makel, sondern eine gestalterische Aufgabe mit ethischem Anspruch ist.
  • Da in dieser Konstellation die dynastische Prägung durch die Eltern fehlt, muss die Balance zwischen Konsum, gesellschaftlicher Verantwortung (Spenden, Stiftung etc.) und eigener Endlichkeit erst ausprobiert und gefunden werden.

 

Sonderfall Profisportler
Hier gibt es spezialisierte Honorarberater z.B. für Profifußballer, welche die sehr kurzen, aber extremen Einkommensphasen mit der langen Zeit nach dem Karriereende verbinden.
Häufigster Fehler: Den Spielerberatern vertrauen, welche meist auf die sportliche Karriere spezialisiert sind.

Anlass Lotteriegewinn
Was zunächst wie ein schlechter Witz klingt, ist eher die Realität. Die meisten Gewinner sind mit plötzlichem Reichtum überfordert. Größte Fehler (nicht nur hier):

  • Falls Sie nicht auf der Suche nach sehr vielen „neuen alten Freunden“ sind, sollten Sie diese gute Nachricht ausschließlich mit Ihrem Partner/-in teilen und auch diesen zu Stillschweigen verpflichten. Ansonsten wird der Gewinn schnell zur Belastung, weil Sie ständig „nein sagen“ müssen. Auch Entführungen, Erpressungen etc. waren schon die Folge und Sie wollen Ihre Kinder sicherlich auch keinem Mobbing aussetzen.
  • Um nach außen hin nicht aufzufallen, sollten Sie auch nicht schlagartig kündigen oder Ihr Umfeld durch auffällige Investitionen irritieren.
  • Weiterhin sollten Sie das Los, die Gewinnbestätigung und den Kontoauszug in einem Schließfach aufbewahren, um später ggfs. die Mittelherkunft bei Rückfragen des Finanzamtes nachweisen zu können. Da Gewinne in Deutschland steuerfrei sind, tauchen diese in Ihrer Einkommenssteuererklärung zunächst nicht auf; bei Transaktionen und Investitionen (z.B. Immobilie) wird jedoch das Finanzamt informiert.
  • Falls Sie Kunde einer örtlichen Bank sind, sollten Sie ein zusätzliches Konto bei einer anonymen Direktbank oder Großbank mit Filiale in der nächsten Großstadt eröffnen. Denn die Bankangestellten werden automatisch von der EDV darauf hingewiesen, wenn Guthaben über gewissen Schwellenwerten auf Ihrem Konto verbucht werden und versuchen Sie zu kontaktieren. Ist der Absender dann noch die staatliche Lotterieverwaltung, so ist dem Flurfunk kaum eine Grenze gesetzt.
  • Beauftragen Sie für Anlageentscheidungen nicht Ihre bisherigen örtlichen Berater bei Banken und Versicherungen, da diese die Mittelherkunft für das Geldwäschegesetz abklären müssen und hier die gleiche Problematik wie bei Ihrem Girokonto besteht.
  • Suchen Sie sich deshalb einen Honorarberater und kontaktieren Sie Ihren Steuerberater bei Bedarf.


In 3 Phasen den neuen Reichtum in langfristigen positiv empfundenen Reichtum wandeln

 

Phase 1:

  • Prämisse: Zuerst einmal im neuen Reichtum ankommen.
  • Organisieren Sie erstmal Ihren ganz persönlichen Wandel, bevor Sie die Geldanlage in Angriff nehmen. Ansonsten handeln Sie mit dem „alten Rahmen“ (Glaubenssätze!) in der ganz neuen Situation und merken oft zu spät, dass das nicht mehr passt. Nach 25 Jahren Beratung bin ich ohne Zweifel der Meinung, dass viel Geld den Menschen verändert – aber sicherlich nicht unbedingt zum Schlechten.
  • Verordnen Sie sich erst mal eine Zwangspause, nachdem ggfs. unverzichtbare Schritte (z.B. Grundbucheintragungen, steuerliche Gestaltung beim Vermögensübergang) erledigt sind. Es ist eine Illusion, dass sofort alles „aufgeräumt“ sein muss. Häufig drängen abschlussgetriebene Berater auf schnelle Entscheidungen in der Angst, sonst nichts vom Kuchen abzubekommen und leer auszugehen.
  • Dies ist nicht der Zeitpunkt für Entscheidungen und Aktionismus rund um Ihre neuen   Vermögenswerte. Unausgegorenen Entscheidungen in dieser Phase vernichten am meisten Geld.
  • Suchen Sie sich aber schon in dieser Phase den (Honorar-) Berater Ihres Vertrauens. Im besten Fall ein lebens- und situationserfahrenes Gegenüber, mit dem Sie nicht nur Finanzfragen, sondern auch Ihre neue Lebensplanung diskutieren können. Dies ist umso wichtiger, wenn mit dem Wandel auch Verluste durch Tod oder Scheidung einhergehen. Ein guter Berater wird in seiner Rolle als Coach nie Druck auf Sie ausüben, um Sie endlich „auf Kurs zu bringen“. Ihr Zeitbedürfnis hat Vorrang!
  • Entdecken Sie ggfs. den neuen Sinn Ihres Lebens.


Phase 2:
„When Life Changes, Plans Must Follow“ (Zitat Ross Levin, US-Finanzplaner)
Die Finanzplanung folgt Ihrer Lebensplanung. Also erstmal Lebensplanung:
Da sich Ihre Lebensplanung höchstwahrscheinlich verändert hat, begleitet Sie Ihr Berater nun mit einem 360-Grad-Blick und den richtigen Fragen durch Ihre Lebensplanung, z.B.:

  • Welches Sicherheitsbedürfnis haben Sie? Wollen Sie sich nur national oder international (geopolitische Risiken) aufstellen?
  • Welche Menschen wollen Sie zukünftig wie versorgt sehen?
  • Wo, wie und mit wem wollen Sie zukünftig leben?
  • Wollen Sie nochmal ganz Neues anfangen, was bisher außerhalb Ihrer Ressourcen und Optionen lag, weil Sie z.B. für das Haupteinkommen Ihrer Familie verantwortlich zeichneten?
  • Oft wird in diesem Zusammenhang genannt: ein (weiteres) Studium beginnen, „Ärzte ohne Grenzen“, Wohnsitzwechsel ins Ausland, …
  • Tragen die mit Ihnen verbundenen Personen Ihre neue Lebensplanung mit, sind sie eingebunden oder ist hier ein Abschied zu erwarten, zu gestalten und auszuhalten?
  • Was ist Ihnen wichtig? Wollen Sie einen Fußabdruck auf dieser Welt hinterlassen? Haben Sie gestalterische Ambitionen, z.B. über eine Stiftung?
  • Was soll nach Ihnen kommen? Schon hier sollten Sie an die nächste Generation denken, z.B. durch die Gestaltung über einen Familienpool. Meist steht auch eine Aktualisierung von Testament und Vollmachten an.


Phase 3:
Die Finanzplanung und deren Umsetzung – das „neue Normal“:

  • Mit der Finanzplanung entwickelt Ihr Honorarberater nach Ihren Vorgaben auf der Basis von Bestandsaufnahme und Analyse ein Konzept, den Finanzplan.
  • Sie gewinnen dadurch Transparenz und Überblick zu Ihrem neuen Besitz und wissen, welche Ausgaben Sie mit welchen Konsequenzen tätigen können.
  • Bei Bedarf und das entsprechende Interesse vorausgesetzt können Sie hier auch das relevante Finanzfachwissen „am offenen Herzen“ erlernen. Damit gewinnen Sie schrittweise Sicherheit für Ihre Entscheidungen und das Gefühl des „völlig an die Berater Ausgeliefertsein“ nimmt ab.
  • Erst wenn Sie diesen Finanzplan als Laie verstanden haben und 100%ig dahinterstehen, geht es weiter.
  • Die Umsetzung der Geldanlagen (soweit überhaupt notwendig) werden von entsprechenden Dienstleistern (Family Office, Vermögensverwaltung, Bank, Immobilienverwalter, etc.) dem Finanzplan entsprechend ggfs. mit einer Ausschreibung verteilt und übernommen.
  • Mit sich änderndem Zeithorizont betrachten Sie und ggfs. Ihr Honorarberater, ob sich die Lebensplanung und damit ggfs. Ihre Risikotragfähigkeit verändert hat. 
  • Dann und je nach Vermögensentwicklung (innerhalb der geplanten Leitplanken?) lassen Sie die Umsetzung anpassen.
  • Je nach Größe des Vermögens steht ein Vermögenserhalt weit vor einer Mehrung. Je nach Anspruch des Inhabers wird auch die Asset-Protection wichtig, also der Schutz des Vermögens vor staatlichen Begehrlichkeiten rund um die Vermögensumverteilung (z.B. Besteuerung, Zwangsabgaben) und juristischen Risiken (z.B. Haftungsfälle, Pflichtanteile).

 

Sie suchen Rat zu dieser Thematik? Sie müssen das Rad nicht neu erfinden.

 

Der Verfasser hat als zertifizierter Finanzplaner (CFP©) ein spezielles Honorarberatungskonzept entwickelt.

 

Markus Weywara

Versicherungs- und Finanzmakler sowie Finanzanlagenvermittler bei der BAZ Beratungsgemeinschaft für Ärzte und Zahnärzte GmbH, Geschäftsstelle München.



 

Herr Weywara hat sich nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur mit zwei Aufbaustudiengängen zum Certified Financial Planner (CFP®) und Certified Foundation and Estate Planner (CFEP®) in der Beratung von Heilberufen und Vermögenden Privatkunden spezialisiert.

 

Nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Experten auf:

E-Mail: markus.weywara@baz.de

Tel.: 089/5446220

Mobil: 0171/3848962

 

 


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