23.04.2018

Experten-Kommentar zu „Doktors Rente“, dem aktuellen Artikel von Stiftung Warentest rund um die Ärztlichen Versorgungswerke


Als vergangene Woche mein Google-Suchwort „Versorgungswerk“ Alarm schlug, war meine Neugier auf den Finanztest als Finanzplaner mit der Expertise Ruhestandsplanung für Heilberufe sehr groß.


Damit Sie als Ärztin/Arzt sich nicht durch den Test von „18 berufsständischen Versorgungswerken der Ärzte in Bezug auf ihre Flexibilität bei der Altersversorgung“ arbeiten müssen, fasse ich hier in einem kritischen „Test des Testberichtes“ für Sie stichpunktartig zusammen. Wenn ich mich im Folgenden der Unschärfe in der Wortwahl von Stiftung Warentest anschließe und Versorgungsbezüge als Renten bezeichne, so sehen Sie mir dies bitte nach:


1. Was wird mitgeteilt (positiv):

 

  • Houston, wir (die Stiftung Warentest) haben ein Problem: 18 unterschiedliche Versorgungswerke mit individuellen Satzungen (Rentenoptionen), sowie Unterschieden in den versicherungsmathematischen Grundlagen und vor allem der vorhandenen finanziellen Potenz. Und kein einziges Versorgungswerk lieferte die für den Test angeforderten Informationen – mangelnde Transparenz!
  • Bei freiwilligen Zuzahlungen sollte die „Einbahnstraße“ beachtet werden, d.h. sollten Sie für den Einkauf in ein Seniorenstift, Schenkungen o.ä. größere Einmalbeträge benötigen, so sind keine Entnahmen möglich.
  • Es gibt meist eine Zweiklassengesellschaft bei den Mitgliedern je nach Erstmitgliedschaft ab 2012:
  • Unterschiedlicher frühester Renteneintritt
  • Teilweise unterschiedlicher Rechnungszins
  • Es besteht eine größere Flexibilität im Vergleich zur Deutschen Rentenversicherung:
  • Keine Kürzung von Witwen- und Waisenrenten bei eigenem Einkommen
  • Keine Kürzung bei Hinzuverdienst während des Rentenbezuges; leider werden hier die mannigfaltigen Vorruhestandsmodelle nicht thematisiert.
  • Es wird angeraten, sich frühzeitig einen Überblick zu Satzung und Rentenmitteilungen im eigenen relevanten Versorgungswerk zu verschaffen.
  • Es wird angeraten, die Kindererziehungszeiten in der Deutschen Rentenversicherung zu beantragen und sich damit auch dort einen grundsätzlichen Anspruch zu sichern.
  • Es wird angeraten, eine private Berufsunfähigkeitsabsicherung für die Minderung der Erwerbsfähigkeit zwischen 50 und 90/100% zu bedenken.
  • Es wird auf die verminderten Reha-Maßnahmen bei Versorgungswerken im Vergleich zur Rentenversicherung hingewiesen. Anmerkung des Autors: Wird teilweise in den Tarifen der PKV geleistet.
  • Es gibt keinen Zuschuss zur Krankenversicherung (GKV und PKV) für Rentner.
  • Als Optionen für die zusätzliche Absicherung werden Immobilie und Aktienfonds genannt.


2. Was wird leider nicht mitgeteilt (negativ):

 

  • Die freiwilligen Zuzahlungen werden befürwortet ohne zu hinterfragen, warum die Versorgungswerke so massiv frische Gelder einwerben: Es gibt einen massiven Liquiditätsbedarf wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase. Um weitere Kürzungen bei Prognosen und laufenden Rentenverpflichtungen zu umgehen, wird hier mit einem konkurrenzlos hohen Rechnungszins Werbung für Zuzahlungen betrieben. Doch dieser Rechnungszins ist kein Schnäppchen, sondern kann und muss sogar bei einer noch länger anhaltenden Niedrigzinsphase reduziert werden.
  • Die „Luxusklasse der Rente“ (Sozialneid?) gibt in den zitierten Schreiben an ihre Versicherten nur Hochrechnungen in Prognoseform ab, d.h. bis und selbst nach dem Rentenbeginn können Kürzungen erfolgen; leider ist dies schon einmal geschehen.
  • Neueinsteiger in die Versorgungswerke bekommen keine EURO-Beträge, sondern nur Punkte genannt, welchen nach Kassenlage des Versorgungswerkes dann mit Punktwerten multipliziert werden.
  • Statt mit „Bisher scheint die Mischung zu stimmen“ in die Vergangenheit zu schauen, sollte das betretene Diversifizierungsneuland (z.B. Gewerbeimmobilien in Südostasien) zumindest für die Zukunft skeptisch betrachtet werden. Mit der eingetretenen Zinswende (steigende Zinsen nach Jahrzehnten fallender Zinsen) treten bei festverzinslichen Anlagen nun Kursverluste auf, sofern umgeschichtet wird.
Auch hier eine Blackbox: Rechtsanwälte haben sich in der Vergangenheit schon die Zähne ausgebissen, in ihren eigenen Versorgungswerken Transparenz zu schaffen.
  • Es gibt keine Aufsicht der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) zu den Kapitalanlagen, nur eine Rechts- und Versicherungsaufsicht durch die Länderministerien.
  • Es gibt kein Rettungsszenario, falls einzelne Versorgungswerke in Not geraten, wie es schon vorgekommen ist. Ob dann Fusionen die Lösung wären? Aus den Erfahrungen der großen Kapitalmarktkrisen wissen wir, dass zwei Hinkende, die sich stützen, noch keinen Gesunden ergeben. Eine Sanierung durch die Staatskasse wäre politisch mindestens heikel.


3. Meine Einschätzung nach fast 25jähriger Erfahrung in der Beratung dieses Themas:

 

  • Der Testbericht ist nicht sein Geld wert, außer Sie suchen als frischgebackener Assistenzarzt eine erste Orientierung mit stark verallgemeinernden Aussagen.
  • Der mühsam versuchte Vergleich von Rentenversicherung und Versorgungswerk ist nicht nur inhaltlich nutzlos: nur ein verschwindend niedriger Anteil von ca. 3% der Ärztinnen und Ärzte geht den Weg einer Doppelmitgliedschaft – die überwältigende Mehrheit lässt sich von der Beitragspflicht in der Rentenversicherung befreien.
  • Die Übersichtstabelle (Stiftung Warentest kann wohl nicht ohne leben…), in welcher Informationen von 18 Versorgungswerken zum Regulären Renteneintrittsalter, frühesten und spätesten Rententermin und ob/wann eine Teilrente möglich ist, geboten wird, ist weitgehend sinnbefreit: 
Wie von Finanztest selbst beschrieben, sind Ärzte – außer bei einem Wohnsitzwechsel – ohne Wahlmöglichkeit für ein bestimmtes Versorgungswerk, d.h. anders als bei einer Kaufentscheidung zu Bügeleisen und Waschmaschinen profitiert der Leser hier nicht von einer vergleichenden Darstellung.
  • Sinnvoller wäre eine tiefe Recherche in den einzelnen Satzungen der Versorgungswerke gewesen, um die häufigen Hinweise „meist“, „das hängt vom Einzelfall ab“ und „nach Versorgungswerk unterschiedlich“ zu vermeiden.
So muss sich Arzt/Ärztin am Ende doch wieder selbst informieren oder beraten lassen, z.B. wieviel Abschlag in ihrem eigenen Versorgungswerk der Vorruhestand kostet.


4. Wie können Sie sich weiter informieren?


Der folgende Link zum Artikel „Vorruhestandsmodelle“ beschreibt Optimierungen des Ruhestandes speziell aus dem Blickwinkel der Flexibilität von ärztlichen Versorgungswerken.


Der Autor bietet eine Honorarberatung zur Ruhestandsplanung mit allen Facetten der Vorruhestandsmodelle für angestellte und niedergelassene Heilberufe an.


Bleibt abschließend die Hoffnung, dass die Redakteure und Journalisten der Stiftung Warentest sich in ihrem eigenen „Versorgungswerk der Presse“ substanzieller informieren. Es lohnt sich!

 

Markus Weywara

Versicherungs- und Finanzmakler sowie Finanzanlagenvermittler bei der BAZ Beratungsgemeinschaft für Ärzte und Zahnärzte GmbH, Geschäftsstelle München.



 

Herr Weywara hat sich nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur mit zwei Aufbaustudiengängen zum Certified Financial Planner (CFP®) und Certified Foundation and Estate Planner (CFEP®) in der Beratung von Heilberufen und Vermögenden Privatkunden spezialisiert.

 

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E-Mail: markus.weywara@baz.de

Tel.: 089/5446220

 

 


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